Der Ruf der Comics
ComicsDas Gerücht, Comics wären Kinderkram hält sich nach wie vor hartnäckig. Wurde vor knappen fünfzig Jahren von Leuten wie dem amerikanischen Kinderpsychologen Dr. Frederick Wertham noch propagiert, Comics würden Kinder und Jugendliche verrohen und sie zu gewalttätigen Triebtätern ausbilden, sind Comics heute in den Augen vieler nur alberne Bildergeschichten, für die man mit spätestens fünfzehn Jahren zu alt sein sollte.
Dementsprechend oft ist die Verwunderung groß, wenn man das Interesse an Comics deklariert. Doch woher kommt gerade in Deutschland das für Comics nicht positiv wirkende Schubladendenken? Warum wird gerade dieses Medium nicht für voll genommen? Niemand würde doch auf die Idee kommen zu sagen, dass Bücher nur für Kleingärtner sind oder Kinofilme
nur bei Kaninchenzüchtern Interesse hervorrufen sollten.
Schätzungsweise liegt es daran, dass mit Bilderbüchern und Comics die meisten anfangen lesen zu lernen, da sie sich hier auf die Bilder mehr als auf die Buchstaben konzentrieren müssen. Da läge der Verdacht nahe, es sei bei allen Comics so. Doch weit gefehlt – nicht umsonst hat sich in den USA längst die Bezeichnung „Graphic Novel“, also gezeichneter Roman, durchgesetzt, denn wie großartige Autoren und Zeichner immer wieder beweisen, gehört eine Menge erzählerisches Geschick dazu, Bilder und Wörter zu einer Story zu verknüpfen. Von dieser Fähigkeit profitiert dann auch Hollywood: Die erfolgreichsten Filme der letzten Jahre benutzen – oftmals auch ohne, dass es das Publikum merken würde – Comics als Grundlage der Geschichten.
Dennoch glauben immer noch etliche Leute, man müsse sich rechtfertigen, weil man Comics liest. Tatsächlich gibt es solche Anfeindungen in vielen Ländern, aber in Deutschland ist dies besonders verbreitet. In Japan wird niemand schräg angesehen, wenn ein Manga in der U-Bahn gelesen wird, in Frankreich sind die „Bandes Dessinées“ ein hochangesehener Kunstzweig und in Amerika wird mit Superhelden-Verfilmungen jeden Monat eine Menge Geld gemacht.
In Deutschland hatten Comics immer einen schweren Stand, eine eigene Kultur bildete sich kaum heraus. Langsam aber sicher stellen aber doch immer mehr Menschen fest, dass es mehr mit den Comics auf sich hat, als die Allgemeinheit vermuten würde. Und vielleicht werden Comics in einigen Jahren ja auch hier als das angesehen, was sie sind: Ein Medium, in dem jedwede Form von Geschichten erzählt werden kann und das für jede Altersklasse.