Comics in Deutschland Teil 2

Bei Comics aus Deutschland fällt die Verbindung zu Vorbildern immer wieder auf. Zeichner und Autoren sind oftmals bestrebt ihren eigenen Helden nachzueifern. In der deutschen Comickultur hat das Tradition.

Als Comics nach dem Zweiten Weltkrieg auch in Deutschland langsam großflächig vertrieben wurden, war das sogenannte Piccolo-Format die bevorzugte Erscheinungsweise. In den schmalen Heftchen im Querformat erschienen neben den vor allem aus Amerika bekannten Helden auch deutsche Versionen, zumeist von Hansrudi Wäscher erdacht und gezeichnet. Schon Wäscher orientierte sich in Stil und Erzählung bei den erfolgreichen Vorbildern aus England und Amerika und so gibt es etliche Parallelen zwischen seinen Helden Sigurd, Falk, Tibor und Nick und Comiccharakteren wie Prinz Eisenherz, Tarzan und Buck Rogers.

Nun fragt man sich unweigerlich, wieso sich die Publikationen nicht von ihren Einflüssen freischwimmen können. Die Antwort auf diese Frage kann nicht ganz leicht werden, zu viele Faktoren spielen eine Rolle. Natürlich ist es wichtig zu wissen, dass Verlage am liebsten Lizenzprodukte vertreiben: Sie kosten die Verlage weniger und sie wissen, dass sich das Produkt in einem anderen Land schon einmal gut verkauft hat, das Risiko ist geringer. Dadurch scheint auch vorprogrammiert zu sein, dass man sich bei eigenem Material an dem orientiert, was schon woanders für Erfolg sorgte.

Ein anderer Punkt ist, dass die wenigsten Comiczeichner bei einem Verlag angestellt sind oder regelmäßige Aufträge bekommen. Wenn man nur ein Album pro Jahr zeichnen kann und darf, muss dieses natürlich auf Anhieb ankommen, Zeit zur Entwicklung bleibt da selten.

Die einfachste Art ist da dann auch, sich auf Altbewärtes zu verlassen und in Deutschland bedeutet dies meistens: Komische Knollennasenfiguren.

Die Macht des Expressiven in der Berliner Nationalgalerie

Ab März kann man sie endlich sehen: “Die Macht des Expressiven” eine wirklich fundamentale neue Sicht auf die Schenkung Otto van de Loo und dessen Sammlung in der Berliner Nationalgalerie.

Expressionismus flickr Allie_CaulfieldUnd der Titel der Ausstellung ist Programm, denn das Expressive war nicht nur von de Loos umfassendem Antrieb, sondern zeigt sich in den ausgestellten Exponaten auch als Kunstrichtung deutlich und wegweisend.

Otto van de Loo kam 1924 im damals noch idyllischen Witten zur Welt, lebt aber inzwischen schon lange mondän und großstädtisch in der bayrischen Metropole und ist dort und auch außerhalb dieser Region ein sehr bekannter deutscher Galerist.

Bereits 1957 war van de Loo mit seiner wegweisenden Galerie in München präsent und er war einer der Aktiven in der Szene - auch als die Schwabinger Turbulenzen von sich reden machten. Während die konservative Kunstszene auf seine subtilen Provokationen mit Unverständnis und Ablehnung reagierte, warfen ihm seine linksgerichteten Freunde bald die weniger subtile Ausbeutung seiner Künstler vor. Doch den Großmeister der westdeutschen Galerieentwicklung ficht dies wenig an. (more…)

Comics in Deutschland, Teil 1

Comics sind ein relativ junges Medium. Vor wenig mehr als hundert Jahren wurde die sequentielle Kunst in etwa im gleichen Zeitraum, wie der Film entwickelt. In Deutschland konnten sie allerdings nie dessen Erfolg verbuchen.

Comics flickr Marxchivist

Comics flickr Marxchivist

Über die Seriosität der Comics wurde lange diskutiert. In Deutschland hatten Comics dann auch immer einen schweren Stand: Sie wurden nie wirklich ernst genommen und auch obwohl sich dieser Zustand in den letzten Jahren etwas verändert hat, ist die gesellschaftliche Akzeptanz der „Neunten Kunst“ immer noch nur bedingt anzutreffen.

Obwohl mit Wilhelm Busch einer der ersten Künstler, die sich mit der Verbindung von Wörtern und Bildern zu Geschichten beschäftigten, der Grundstein in Deutschland für so etwas wie eine Comickultur gelegt wurde, ist hierzulande niemals eine eigenständige Industrie, wie wir sie aus Amerika, Frankreich und Japan kennen, entstanden.

In den großen Comicländern entwickelten sich sehr eigene Erzählstrukturen, die nach jeweils bestimmten Mustern verlaufen. Dabei gibt es aber kaum originär deutsche Comicgeschichten, -charaktere, -serien oder -erzählweisen. Das heißt aber nicht, dass es keine deutschen Comics gibt, sie orientieren sich aber deutlich an ihren Vorbildern, gerne in Bezug auf aktuelle Trends. (more…)

Kandinsky in München - Vom Blauen Reiter zum Bauhaus

Noch bis zum 8. März kann man in München die große Retrospektive “Kandinsky - Absolut. Abstrakt” besuchen. Im Kunstbau finden sich fast 100 Werke des Künstlers aus allen Schaffensperioden.

Kandinsky flickr clairity*

Kandinsky flickr clairity*

Die Werke stammen aus drei Museen, die alle über eine große Kandinsky - Sammlung verfügen: aus dem Münchner Lenbachhaus, das parallel dazu die Ausstellung “Kandinsky – Das druckgrafische Werk” zeigt, dem Centre George Pompidou aus Paris und dem New Yorker Guggenheim Museum.

Die Sammlung der Museen ergänzt sich hervorragend, so dass hier das erste Mal seit mehr als 30 Jahren eine umfassende Werkschau zustande gekommen ist. Wassily Kandinsky, der 1866 in Moskau geboren wurde, gehört zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. In München, wo er 1911 zusammen mit Franz Marc den Blauen Reiter gründete, hat der Besucher nun die Möglichkeit einen umfassenden Blick auf Kandinskys Werk zu werfen. Von den frühen Bildern, in denen Kandinsky noch ganz gegenständlich malt, über die expressionistische Phase des Blauen Reiters, hin zu der totalen Geometrie der Bauhaus - Zeit bis zu seinen letzten Bildern aus Paris zeigt die Ausstellung in München die Entwicklung des Künstlers, der seine eigene Formsprache entwickelte und zu einem der wichtigsten Wegbereiter der Moderne wurde.

Kandinsky begriff die Kunstwelt als Parallelwelt und seine Vorstellung von Malerei haben nicht nur die Kunst des 20. Jahrhunderts beeinflusst und verändert, sondern nach wie vor zieht Kandinsky die Betrachter in seinen Bann, so wurde die Kandinsky-Ausstellung in München zum Publikumsmagneten und wegen der großen Nachfrage verlängert. Paris und New York sind die nächsten Stationen.

Der Ruf der Comics

Das Gerücht, Comics wären Kinderkram hält sich nach wie vor hartnäckig. Wurde vor knappen fünfzig Jahren von Leuten wie dem amerikanischen Kinderpsychologen Dr. Frederick Wertham noch propagiert, Comics würden Kinder und Jugendliche verrohen und sie zu gewalttätigen Triebtätern ausbilden, sind Comics heute in den Augen vieler nur alberne Bildergeschichten, für die man mit spätestens fünfzehn Jahren zu alt sein sollte.

Comicaussschnitt © flickr.com / richardmasonerDementsprechend oft ist die Verwunderung groß, wenn man das Interesse an Comics deklariert. Doch woher kommt gerade in Deutschland das für Comics nicht positiv wirkende Schubladendenken? Warum wird gerade dieses Medium nicht für voll genommen? Niemand würde doch auf die Idee kommen zu sagen, dass Bücher nur für Kleingärtner sind oder Kinofilme

nur bei Kaninchenzüchtern Interesse hervorrufen sollten. (more…)

Marc Chagall – Der Maler am Fenster. Eine Ausstellung in Münster

Er ist der „Erzpoet“ der Kunst des 20. Jahrhunderts - Marc Chagall. Ein ganzer Kosmos von Symbolen durchzieht sein Oeuvre: Eifelturm, Geiger, Hahn, Pendeluhr, Pferd. Und Fenster. Ein Ausstellung im Graphikmuseum Pablo Picasso in Münster widmet sich nun einzig diesem Bildthema Chagalls.

I and the village von Marc Chagalle © flickr.com / Allie_Caulfield

I and the village von Marc Chagalle © flickr.com / Allie_Caulfield

Chagalls Werke sind bildkräftig, melancholisch und zugleich von einer großen  Leichtigkeit. Immer wieder tauchen in diesen traumartigen Szenerien Fenster auf. Sie sind ein zentrales Thema, da sie zwei fundamentale Aspekte der Kunst Chagalls vereinigen, nämlich den Raum und die Illusion. Der Raum wird in Chagalls Gemälden oft durchflogen, häufig von sich vereinigenden und umarmenden Liebespaaren. Die erdenden Gesetze der Schwerkraft werden also überwunden, womit der von Verfolgung bedrohte jüdische Künstler auch seine Freiheitsliebe Ausdruck verlieh.
In Kooperation mit dem Musée national Marc Chagall in Nizza präsentiert das Graphikmuseum Pablo Picasso Münster rund einhundert Gemälde, Zeichnungen und Grafiken rund um das Fenstermotiv aus siebzig Schaffensjahren des Künstlers.
Dabei wird den Wandlungen des Fenstermotivs nachgespürt. Zu Beginn orientierte sich Chagall an der Tradition des romantischen Fensterbildes. Immer auch spielt das Fenster als gemaltes Fenster zur Welt eine Rolle. Später durchbricht Chagall mit seinen illusionären Bildern jede konventionelle, klassische Darstellung.
Ab den 50er Jahren entwirft er auch zahlreiche Glasfenster für berühmte Kirchen und profane Gebäude. Auch diesem Aspekt wird die Ausstellung mit Fensterentwürfen und Skizzen  gerecht. Als Besonderheit werden in der Münsteraner Ausstellung zahlreiche Exponate aus dem Privatbesitz gezeigt.

•    Graphikmuseum Pablo Picasso Münster

  • Königsstraße 5
  • 48143 Münster

•  Öffnungszeiten

  • Dienstag bis Sonntag und Feiertage 10 – 18 Uhr (Während der Chagall-Ausstellung hat das Museum auch montags geöffnet. Ausnahme: 23.2.2009).

•    Eintrittspreise

  • 10 € / ermäßigt 8 €